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Ankauf 2026

Rebekka Benzenberg: Peace will come and with it sleep, 2025, Worbla, UV-Harz, Epoxidharz, Glasfasergewebe, Gewebe, Satinstoff, Bettdecke, Bettlaken, Daunenkissen, Matratze, Aluminium 200 × 100 × 160cm, Courtesy of the Artist and Anton Janizewski, Berlin, © Rebekka Benzenberg; Foto: Simon Vogel

Rebekka Benzenberg: Peace will come and with it sleep, 2025

Im Zentrum des künstlerischen Schaffens von Rebekka Benzenberg stehen gesellschaftliche Normen, Machtverhältnisse und die Art und Weise, wie vornehmlich weibliche Körper, Identitäten und Zugehörigkeiten kulturell konstruiert, kontrolliert und codiert werden.

In „Peace will come and with it sleep“ (2025) rückt die Künstlerin das Motiv des Betts in den Mittelpunkt. Als zentrales Moment der Skulptur kann es mehrere Bedeutungen besitzen, die sich vom Rückzugs, Depressionsraum und dem klassischen Ort von Schlaf und Erholung oder dem Raum der Träume und Fantasien über den Ort der Sexualität bis hin zum Krankenbett erstrecken. Die in „Peace will come and with it sleep“ abgeformte Figur der „Düsselnixe“ liegt ohne das sie stützende Brunnenbeiwerk ausgestreckt auf einem Bett, das in seiner kühlen Beschaffenheit eher an Krankhauseinrichtungen, denn an private Schlafzimmer erinnert. Das weiße Plumeau ist aufgewühlt, die Matratze mit einem ebenfalls weißen Leintuch überzogen. Die klare, minimale Stahlkonstruktion des Bettes kontrastiert die Bewegtheit des Körpers und der Stoffe.

Benzenberg kehrt damit die jahrhundertealte Reduktion weiblicher Körper auf bloße dekorative Symbolik um und entzieht der traditionellen Sichtweise die Machtprojektion und ästhetische Kontrolle. Indem Frauen nicht länger „dekorativ“ verstanden werden, werden sie präsent, verletzlich, autonom und irritierend zugleich.Wie das Bild eines schweren Schlafes schmiegt sich die halbtransparente Gaze über die liegende Figur. Die Formen des Körpers betonend und sie im Faltenwurf aufwühlend, wird der Stoff zu einem ambivalenten Zeichen. Erotisierend aufgeladen und erstickend zugleich, zeigt sie die Figur in ihrer gesamten komplexen Existenz. Ihr sexualisierter Körper ist zugleich Ort der Erschöpfung und Depression. Sie ist fragil. Ihre Darstellung kann als Symbol der immer stärker auseinanderbrechenden Bedingungen unseres gesellschaftlichen Systems gelesen werden, das bis in die intimsten Momente unseres Daseins alle Lebensbereiche unter das Diktat der Bewertung und Ökonomisierung stellt. Die mit diesem Körper verbundenen Vorstellungen von Schönheit, Emotionalität, Tugend und Verhalten werden zu einer permanenten Belastung. Bedingt durch diese Erwartungshaltungen wird die auf dem Bett liegende Figur zu einem Bild für die Geschichte der Misogynie, die zugleich auch eine Geschichte der Transformation ist und sich von offener Gewalt hin zu subtiler Normierung erstreckt. Vielleicht erscheinen heute viele Zwänge, wie beispielsweise Schönheitspflege, Selbstoptimierung, Konsum etc., als individuelle Entscheidungen, ihr Fundament allerdings fußt auf einem klaren, normierenden gesellschaftlichen System. Politische, soziale und intime Themen werden in der Präsentation aufs Engste miteinander verwebt. Die Inszenierung der Figur auf dem Bett im Halbdunkel des Museumsraums zeigt daher, wie sich persönliche Erfahrung mit kollektiven Strukturen verbinden. Die Installation steht dafür, dass selbst die persönliche Intimität immer auch als ein politisches Zeichen gelesen werden muss. Die liegende Figur verkörpert nicht nur eine private, sondern auch eine gesellschaftliche Erschöpfung, die mit der im Titel angezeigten „antiken Tragödie“ ursächlich einhergeht.

Ankauf 2024

Shannon Bool (:1972, Comox, CA). The 33rd Column, 2023. 
Jacquard gewebter Teppich mit Seide und Stickerei. 
320 x 226 cm, Edition 2/2 (+1AP).

Shannon Bool, The 33rd Column, 2023

Shannon Bool konzentriert sich in ihren gewebten Teppicharbeiten auf die Architektur als Projektionsfläche und Impulsgeber von Handlungen. Ihr Interesse gilt der Architektur der Moderne (z.B. von Ludwig Mies van der Rohe wie in der Arbeit 33rd Column) oder des Brutalismus. Die Architektur der Moderne ist geprägt von den theoretischen Ideen des Bauhauses (wie bspw. der gläsernen Fassade – der Transparenz; des freien Grundrisses – der Veränderlichkeit der Räume; der auf Funktion gerichteten Formen – form follows function) wohingegen der Begriff „Brutalismus“ sich vom französischen „béton brut“ ableitet, was „roher Beton“ bedeutet und damit auch auf die Materialität abzielt. Er entwickelte sich in den 1920er Jahren als eine Bewegung der Moderne, die Erfahrung der „geistigen

Befreiung“, „wahres Sehen“, „Sinnlichkeit statt Kommerz“ Rechnung tragen will. 

In der Arbeit 33rd Column spielt Shannon Bool mit dem architektonischen Element Säule, die in Mies van der Rohes architektonischen Diskurs eine herausragende Bedeutung besitzt. Der Blick ins Innere eines von Mies van der Rohe entworfenen, aber nicht realisierten Pavillons, der an den berühmten Barcelona Pavillon erinnert, offenbart die für ihn typischen Elemente der Säule und der Glasfassade. Säulen besitzen stützende Funktion und ersetzen die tragende Funktion der Wand. Damit wird die Transparenz des Gebäudes – Fensterfronten – möglich und auch der vom Architekten entworfenen offenen Grundriss. 

In diesen architektonischen Raum setzt Shannon Bool nun zwei metallisch schimmernde Highheelstiefel und konterkariert damit die ebenfalls in vertikaler Ausrichtung sich im Raum befindenden Säulen. Hier treten bewusst die männlich dominierte Architektur der Moderne und die sich darin bewegende Person mit dezidiert weiblich konnotierten Attributen (Highheelstiefel) in eine Spannung. In vielen Arbeiten von Shannon Bool wird der Körper zum zentralen „Bildbereich“. Ihr Interesse gilt dem Konzept des „gelebten Körpers“, einem Begriff des Phänomenologen Merleau-Ponty, der davon ausgeht, dass die äußere Realität und die subjektive Identität das wechselseitige Ergebnis von körperlicher Erfahrung und Handlung im Raum sind. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Adaption der Geschichte und der Produktionstechniken unterschiedlichster kultureller Sphären, die von den körperlichen Prozessen der Bildhauerei und Malerei bis hin zur Erzeugung synthetischer, digitaler Bildwelten reichen.

Wandteppiche thematisieren seit ihrem Aufkommen im Mittelalter historische und religiöse Weltanschauungen. Die hochwertigen, in Jacquard-Technik gewebten Wandteppiche von Bool basieren auf computergenerierten synthetischen Bildern. Die Ausgangsbasis bilden dokumentarische Fotos oder Skizzen des Pavillons. In dem Wandteppich werden die Stiefel zum Ort der mentalen Projektion. 

Ankauf 2023

Emma Talbot (:1969, Stourbridge, UK). Traveller’s Friend, Mugwort, 2022. Acryl auf Seide. 182 × 130 cm.

Emma Talbot, Traveller’s Friend, Mugwort, 2022

Im Mittelpunkt der Arbeiten von Emma Talbot stehen persönliche Erfahrungen, Erinnerungen und psychologische Projektionen, die sie mit zeitgenössischen Themen verbindet. Talbot verwendet hauptsächlich leichte und flexible Materialien wie Seide, um die Freiheit von Form und Inhalt zu betonen. Sie konzentriert sich auf feministische Theorien, Erkundungen der Natur, Ökopolitik und unsere Beziehung zur Technologie. Ihre Werke kombinieren visuelle Poesie, erzählerische Elemente und handgefertigte Objekte, um intime und universelle Themen zu reflektieren, wie die Entwicklung des Lebens, insbesondere das der Frauen, das Konzept des Alters, den sich verändernden Körper und seine Rolle in der Gesellschaft.

Das Werk „Traveller’s Friend, Mugwort / Der Freund der Wandernden, Beifuß“ (2022) thematisiert die symbolische und praktische Bedeutung der Heilpflanze Beifuß. In der antiken Mythologie wird Beifuß mit Frauen und Fruchtbarkeit assoziiert und war mit der Göttin Artemis verbunden. Die Göttin hatte die Aufgabe, den Frauen ein langes Leben zu bescheren. Wie der Titel des Werkes andeutet, geht es um eine Reise, die metaphorisch als Reise des Lebens verstanden werden kann.

Blick in die Eingangshalle mit Museumsshop
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